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Logopädie in der Reha: Zurück zur Kommunikation finden

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Mit anderen Menschen kommunizieren zu können, gehört zu den wichtigsten Dingen in unserem Leben. Die Sprache spielt dabei meist eine zentrale Rolle. Gerade jetzt, in Zeiten der sozialen Isolation, tut es gut, wenn wir uns mit anderen unterhalten können, unsere Erfahrungen und Gefühle teilen. Was aber tun, wenn die Fähigkeit, sich mit der eigenen Stimme auszudrücken, gestört ist?

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage kann auch die Logopädie nicht liefern. Dafür sind die Ursachen für Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen zu komplex und individuell. So können beispielsweise eine OP zur Tumorbehandlung am Kehlkopf, Morbus Parkinson, organische oder neurologische Anomalien, oder auch ein Schlaganfall dazu führen, dass die Betroffenen eine logopädische Therapie benötigen. Es gibt also nie „die eine“ Lösung für alle Patienten. Aber die Logopädie kennt viele Wege, um die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.

Logopädische Übung Passauer Wolf
Szene einer logopädischen Übung. BITTE BEACHTEN SIE: Das Bild entstand vor der aktuellen Pandemie, als noch keine Maskenpflicht bestand. Zur Veranschaulichung ist es gerade beim Thema Logopädie relevant, das ganze Gesicht zu sehen.

Wie sieht der Therapiealltag aus?

Michaela Forge ist Sprachtherapeutin und leitet die sprachtherapeutische Abteilung beim Passauer Wolf Bad Gögging. Während einer Rehabilitation unterstützen sie und ihr Team Menschen auf dem Genesungsweg, die von Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen betroffen sind. Zum Europäischen Tag der Logopädie erzählt sie aus dem Therapiealltag:

„Durch fachübergreifende Zusammenarbeit setzen wir bei Stimm-, Sprech- und Sprachstörungen das Prinzip eines gesamtkörperlichen Therapieansatzes um. Die Therapie passen wir dabei individuell auf die Bedürfnisse des Patienten an – je nach Art und Schweregrad des Störungsbildes. Bei einem Patienten, der nach einem Schlaganfall eine Aphasie, also eine Sprachstörung aufweist, die das Sprachverständnis, die Wortfindung, den Satzbau, aber auch das Schreiben und Lesen beeinträchtigt, sieht die Therapie anders aus als bei einem Parkinson-Patienten, der Unterstützung bei der klaren Aussprache und Lautstärkemodulation benötigt.”

Lieber ambulant oder stationär in die Reha?

“Der Vorteil einer stationären Rehabilitation gegenüber einer ambulanten Behandlung bei einem Facharzt oder in einer Akutklinik besteht darin, dass wir Patienten über einen längeren Zeitraum täglich begleiten können. So sind eine intensive Betreuung und hohe Therapiefrequenz möglich. Beim Patienten mit Aphasie arbeiten wir zum Beispiel symptomorientiert, um die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Manchmal müssen wir nach einem Schlaganfall quasi „von vorne“ anfangen. Das heißt: schreiben und lesen lernen, aber auch Sprachverständnis oder das Benennen von Dingen. Manche Patienten haben auch Probleme mit einer klaren Syntax, sie verdrehen Worte im Satz. Dinge, die für die meisten Menschen eigentlich ganz selbstverständlich sind, können durch einen Schlaganfall auf einmal wieder wie aus dem Gehirn ‚gelöscht‘ sein. Man kann es sich ein bisschen so vorstellen, als hätte man eine Fremdsprache gelernt und müsste sich jetzt in einem fremden Land zurechtfinden. Nur eben mit der eigenen Muttersprache.

Gruppentherapien helfen aufbauend dabei, das Gelernte in einer Gesprächssituation zu üben. Dass hier auch andere Menschen sitzen, die Probleme mit der Sprache oder dem Sprechen haben, schafft Vertrauen und baut Hürden ab. So trainieren wir den Transfer von der Übung in die gelebte Kommunikation.”

Logopädie ermöglicht Teilhabe

“Logopäden unterstützen also Patienten, damit sie wieder mit anderen kommunizieren und am Leben teilhaben können. Gerade bei einem Schlaganfall ist es extrem wichtig, dass diese Hilfe so schnell wie möglich angeboten wird. Die ersten paar Monate sind hier entscheidend, um Sprache, Sprechen und Stimme wiederzufinden. Je schneller die logopädische Therapie beginnt, desto leichter ist es, die erforderlichen Nervenbahnen im Gehirn wiederaufzubauen und zu trainieren.

Deswegen war es für uns auch während der Corona-Pandemie selbstverständlich, weiter für unsere Patienten da zu sein. Eine Reha kann manchmal eben nicht warten, gerade in den Bereichen, mit denen die Logopädie am stärksten verknüpft ist, wie der Neurologie. Wir haben uns deswegen den Herausforderungen gestellt und sie auch gut gemeistert.”

Wie sieht die Therapie während Corona aus?

“Einfach war es nicht, vor allem, weil gerade bei der Sprachtherapie manchmal ein Mundschutz auch hinderlich sein kann. Aber wir haben alles dafür getan, die Sicherheit der Mitarbeiter und Patienten nicht zu gefährden, haben Schutzmaterial und -maßnahmen eingesetzt, die wir an die Therapiesituation anpassen konnten, um für die größtmögliche Sicherheit zu sorgen. Dazu zählen dann zum Beispiel Stimmübungen bei offenem Fenster oder auf dem Balkon des Zimmers. Wir haben auch schon früh die FFP2-Masken bei der Therapie eingesetzt. Das hatte häufig auch einen Vorteil: Unter der Maske muss man deutlicher artikulieren und lauter sprechen.

Egal, ob vor oder während der Pandemie: Die Arbeit mit den Reha-Patient:innen bestätigt uns immer wieder, wie wertvoll die Therapie ist. Eine Rehabilitation hilft Menschen, wieder aktiver am Alltag teilzuhaben. Denn ohne Kommunikation ist das Leben sehr eingeschränkt. Deswegen verdient auch die Logopädie mehr Wertschätzung.“

 

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