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Logopädie: Kommunikation (wieder) möglich machen

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Interview mit Logopädin Annett Bünger anlässlich des Europäischen Tages der Logopädie am 6. März

Seit 25 Jahren ist Annett Bünger Logopädin; 24 Jahre arbeitet sie in unserer Mitgliedsklinik MEDICLIN am Standort Plau am See. Zum Europäischen Tag der Logopädie am 6. März 2021 erklärt sie, was gute Logopäden ausmacht und wie sie sich die Zukunft ihres Berufs vorstellt.

Logopädin Annett Bünger
Logopädin Annett Bünger

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Schon seit der Kindheit ist mir die Arbeit von Logopäden vertraut – meine Mutter arbeitete ebenfalls als Therapeutin. Da lag es nahe, dass ich mich vor rund 29 Jahren nach einer beruflichen Neuorientierungsphase an der Medizinischen Fachschule in Greifswald für Logopädie einschrieb. Die Ausbildung selbst dauert drei Jahre und beinhaltet auch einen hohen Anteil an praktischen Phasen, beispielsweise in Praxen oder Krankenhäusern. Die Ausbildung schließt mit einem staatlichen Examen ab und berechtigt, die Berufsbezeichnung staatlich anerkannter Logopäde zu führen. Neben der staatlichen Schule in Greifswald bieten auch private Schulen eine logopädische Ausbildung an. Diese Ausbildung müssen die Schüler dann aber selbst bezahlen.

Welche Eigenschaften sollten Logopäden mitbringen?

Wer sich dafür entscheidet, Logopäde zu werden, sollte auf jeden Fall Spaß an der Arbeit mit Menschen haben. In der Logopädie geht es in erster Linie um Kommunikation. Deshalb sollte diese gut ausgeprägt sein. Hinzu kommen außerdem Rhythmusgefühl, Musikalität sowie ein Bewusstsein für die eigene Stimme und Sprache.

In den letzten 25 Jahren hat sich einiges im therapeutischen Handlungsfeld verändert. Wissenschaftliche Studien haben neue Störungsbilder erforscht, Therapiemethoden wurden angepasst und überarbeitet. Ein Beispiel ist die Logopädie in der Neurologischen Frührehabilitation. Ich war Mitte der 1990er Jahre eine der ersten Logopädinnen, die auf der Station im Krankenhaus Plau am See gearbeitet haben.

Wichtig ist es daher nicht nur für angehende, sondern auch für Logopäden im Beruf, sich stetig fortzubilden und das eigene Wissen in Theorie und Praxis aktuell zu halten und zu erweitern.

Mit welchen Problematiken kommen Patient:innen zu Ihnen?

In unserer Praxis behandeln wir Patient:innen aller Altersstufen. Kinder kommen zum Beispiel mit Sprach- und Sprechstörungen, aber auch mit Schluck-, Stimm- und Atemstörungen zu uns oder wenn sie im Alter von 3 Jahren noch keine 50 Worte sprechen können. Wir behandeln auch Schulkinder mit Lese-Rechtschreibschwäche. Erwachsene therapieren wir beispielsweise mit Sprach- und Schluckstörungen bei Erkrankungen des Zentralnervensystems, nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma.

 

Das Gehalt von Logopäden wiegt die Kosten, die für die drei Jahre Ausbildung entstehen, oft nicht auf. Deshalb wünsche ich mir in Zukunft auch eine höhere Vergütung für unsere professionelle Arbeit.

Wie lange dauert eine logopädische Behandlung normalerweise?

Ärzte stellen für eine logopädische Therapie eine Verordnung aus. Eine Sitzung dauert zwischen 30 und 60 Minuten und findet bis zu drei Mal in der Woche statt. Wenn Patienten es wünschen, führen wir auch Hausbesuche durch. Im Moment hindert uns leider die Pandemie daran und wir können dieses Angebot nicht aufrechterhalten.

Wie unterscheidet sich die Arbeit in einer ambulanten Praxis von der in einer Klinik?

Im Praxisalltag behandle ich viele unterschiedlichen Patienten – vom Kleinkind bis zu Senioren. Wir planen die Therapien und sind doch flexibel. Wenn ich beispielsweise merke, dass ein Kind sich nicht auf die Logopädie konzentrieren kann, weil es Streit in der Schule gab, passe ich die Therapiesitzung kreativ an. Der Erfolg einer Behandlung hängt nämlich zu einem großen Teil von der Bindung ab, die ich als Therapeutin zu den Patienten habe. Oft stehe ich auch in engem Kontakt zu den Eltern und anderen Angehörigen und kann so zu den Patienten und deren Umfeld Vertrauen auf Augenhöhe aufbauen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Berufs?

Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Wertschätzung unserer logopädischen Arbeit. Wir bringen die Menschen zurück in den Alltag und machen Kommunikation und soziale Interaktion wieder möglich. Außerdem wünsche ich mir weniger Bürokratie im Praxisalltag: Absetzungen oder nicht korrekt ausgestellte Verordnungen beispielsweise schlucken viel Zeit.

Die Ausbildung sollte attraktiver und ansprechender werden. Dazu gehört auch, das Schulgeld, das an vielen Privatschulen für die Ausbildung gezahlt werden muss, abzuschaffen. Das Gehalt von Logopäden wiegt die Kosten, die für die drei Jahre Ausbildung entstehen, oft nicht auf. Deshalb wünsche ich mir in Zukunft auch eine höhere Vergütung für unsere professionelle Arbeit, die wir Logopäden jeden Tag leisten.

Reha. Macht’s besser! setzt sich für leistungsgerechte Vergütung in Vorsorge und Reha ein.

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