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Modulares Schulungsprogramm für Menschen mit Epilepsie

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Interview zu Reha bei Epilepsie mit Dr. med. Helge Matrisch. Dr. Matrisch ist Chefarzt der Neurologie und Neuropsychologie in unserer Mitgliedsklinik Asklepios Klinik Schaufling. Dort wird für Patient*innen mit Epilepsie das sogenannte MOSES-Programm umgesetzt.

Epilepsie braucht Verhaltensregeln.

(Dr. med. Helge Matrisch)

Was ist Epilepsie und wer ist davon betroffen?

„Epilepsien sind Anfallserkrankungen mit spontanen bioelektrischen Entladungen von Nervenzell-Verbänden des Gehirns. Anschaulich könnte man von einem Gewitter im Gehirn sprechen.” So beschreibt Dr. Helge Matrisch, Chefarzt Abteilung für Neurologie und Neuropsychologie in unserer Mitgliedsklinik Asklepios Klinik Schaufling Epilepsieanfälle. Epileptische Anfälle können dabei mit oder ohne Bewusstseinsstörungen auftreten. Sie können mit oder ohne motorische Entäußerungen einhergehen. Beispielsweise gibt es Epilepsieanfälle, bei denen der ganze Körper motorisch ergriffen wird. Das bedeutet, die Arme und Beine der Betroffenen werden steif und bewegen sich dann unkoordiniert.

Epileptische Anfälle können in jedem Lebensalter Auftreten. Ursächlich kann zum Beispiel genetische Veranlagung sein. Epilepsien sind aber auch häufig Folge verschiedener Hirnverletzungen, beispielsweise durch einen Unfall oder durch einen Schlaganfall. Zusätzlich kommen Epilepsieerkrankungen auch bei den sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen vor (etwa bei Demenzerkrankungen). Insgesamt ist etwa ein Prozent der Menschheit von Epilepsieanfällen betroffen.

Was kann Reha bei Epilepsie leisten?

Epilepsie braucht Verhaltensregeln. Dieser Grundsatz wird in der Asklepios Klinik Schaufling sehr ernst genommen. Bei motorischen Einschränkungen im Anfallsfall ist Prävention von (Sturz-) Verletzungen das Ziel. Auch die Medikation kann über den Zeitraum einer Rehabilitation optimiert werden. Darüber hinaus können Patient*innen Hilfsmittel für den Alltag testen. So gibt es zum Beispiel spezielle Armbänder zur Sturzdetektion. „Speziell geschulte Mitarbeiter nehmen unsere Patienten an die Hand,“ so Dr. Matrisch.

Vor allem drei Gruppen von Patient*innen mit Epilepsiesyndromen kommen in die Reha.

Symptomatische Epilepsie

Tritt eine Epilepsie beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einer Turmorerkrankung auf, erfolgt eine Reha häufig nach der Akutbehandlung. Das Ziel ist es dann, die Patient*innen neben der richtigen medikamentöse Einstellung auch im Hinblick auf eine nötige Krankheitsverarbeitung zu unterstützen.

Postoperative Patient*innen

Mitunter ist es nötig, dass ein Epilepsieleiden am Gehirn operiert werden muss. Das behandelnde Ärzteteam wird vorher versuchen das ‚Gewitter im Gehirn‘ zu lokalisieren und feststellen, dass eine Operation hier einen Nutzen bringt. In der Regel schließen sich einer solchen Hirn-OP spezielle Reha- Maßnahmen an. Ziel der Rehabilitation und ihrer Diagnostik nebst Therapien ist es, auch die geeignete Nachsorge in ihren weiterführenden Behandlungen sicherzustellen. Denn: bei einer Hirn-Operation können auch andere Fähigkeiten der Patient*innen betroffen sein. So kann die Merkfähigkeit betroffen sein oder etwa das Sprachzentrum. Dann liegt der Fokus auf dem Wiedererlangen der verlorenen Fähigkeiten.

Langjährige Epilepsie Patient*innen mit dem Ziel der beruflichen Wiedereingliederung

Reha ist ein wichtiger Baustein, um die Arbeitsfähigkeit von Menschen wiederherzustellen. Das Prinzip ‘Reha vor Rente’ besagt das. Es gibt langjährige Patient*innen, die mit beruflichen Problemen aufgrund ihrer Epilepsie zu kämpfen haben und wieder in ihren Beruf einsteigen wollen. Sie lernen in der Reha, mit welchen beruflichen Einschränkungen aber auch welchen beruflichen Chancen sie den Wiedereinstieg versuchen können. Hierzu verfügt die Klinik über ein sogenanntes MBOR, was für eine medizinisch beruflich orientierende Rehabilitation steht. Hier wird also die Ausbildung der Betroffenen mit den Einschränkungen durch die Epilepsie in den Fokus genommen. Die Reha versteht sich hier als Schnittstelle mit geeigneten Nachsorgemöglichkeiten.

Durch die Pandemie ist der Anteil der Patient*innen zur beruflichen Wiedereingliederung aktuell spürbar geringer. Auch der Anteil elektiver Hirnoperation ist gegenwärtig geringer. Die größte Gruppe der Epilepsiepatienten stellen momentan Patient*innen mit symptomatischen Anfallsleiden.

Die Therapieformen unterscheiden sich je nach Patientengruppe. Neurologie, Psychologie, Neuropsychologie und anteilig auch Orthopädie arbeiten interdisziplinär zusammen. Darüber hinaus bietet die Asklepios Klinik Schauffling das MOSES-Programm an.

Was ist das MOSES-Programm?

Dr. med. Helge Matrisch erklärt:

„MOSES steht für ‚Modulares Schulungsprogramm für Menschen mit Epilepsie‘ und soll Betroffenen helfen ‚Experten‘ ihrer Krankheit zu werden. Auch hier ist der Ansatz interdisziplinär. Unsere MOSES-Trainer*innen sind geschulte Praxisanleiter*innen, pflegerische Fachkräfte, Kunsttherapeut*innen. Wichtig sind aber auch Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelentspannung nach Jacobsen). Bei allem erfolgt eine fachärztliche sowie neuropsychologische Supervision.”

Details zum MOSES-Programm

Was fehlt den Reha-Einrichtungen für optimale Therapie?

Zeit und Geld oder Geld und Zeit?

Umfassende Therapie, die im Kontext auch Angehörige berücksichtigen muss, beispielsweise durch ein Rooming-In, sollten ermöglicht werden. Das Ziel ist es, auf allen Kontextebenen intensiv und individuell auf Patient*innen einzugehen. Das Problem ist, dass multimodale und interdisziplinäre Therapien natürlich Ressourcen kosten. Dies ist im Hinblick auf die zunehmende Ökonomisierung des Medizinsystems insgesamt ein Problem. Behandelt eine Reha-Einrichtung Patient*innen, so findet seitens der Kostenträger immer auch der einseitige Preis-Blick auf andere Leistungserbringer statt. Das limitiert mitunter Therapieansätze, bei denen Patient*innen auch eine längere Therapie benötigen. An dieser Stelle wünscht sich Dr. Matrisch einen intensiveren Dialog mit der Politik. „Es ist sicherlich kritisch, über Jahre Mittel zu kürzen. Damit werden wir unseren Patienten nicht immer gerecht.“

 

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