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14.09.2022

Kein Einheitsbrei bei Schluckstörungen

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Die m&i-Fachkliniken Hohenurach bieten Patient:innen mit Dysphagie spezielle Therapien und einen abwechslungsreichen Speiseplan. Was verbirgt sich hinter dem Krankheitsbild der Dysphagie? Dysphagie ist die Schwierigkeit, Speichel, Nahrung oder Getränke rasch und sicher von der Mundhöhle zum Magen zu befördern.

Patientin mit Schluckstörung
Patientin mit Schluckstörung während des Essens unter Aufsicht von Julia Pischel, Leitende Logopädin in den m&i-Fachkliniken Hohenurach. Foto: m&i-Fachkliniken Hohenurach.

Was passiert eigentlich, wenn der Vorgang des Schluckens gestört ist? Zum Beispiel bei Menschen, bei denen durch ihr Alter, Behinderung oder Krankheit, wie durch einen Schlaganfall oder andere neurologische Krankheiten, die Fähigkeit, zu schlucken, abhandengekommen ist.

Das „Abdichten“ der Luftröhre klappt nicht mehr. Die Gefahr zu ersticken oder einer schweren Lungenentzündung können die Folge sein. Auch Gewichtsverlust, Austrocknung und Mangelernährung sind Folgen einer Schluckstörung.

Therapie in den m&i-Fachkliniken Hohenurach

Das Schlucken können Patient:innen mit Unterstützung von Schlucktherapeut:innen neu erlernen. „Der Schluckakt ist ein komplexer Vorgang, bei dem viele verschiedene Nerven und auch Muskeln aktiv werden. Bei Gesunden läuft der Vorgang mehr oder weniger automatisch zwischen 600 bis 2000 mal pro Tag ab. Bei unseren Patient:innen ist das nicht so“, sagt Julia Pischel, Leitende Logopädin in den m&i-Fachkliniken Hohenurach. „Die Ziele, die wir mit unserer spezialisierten Therapie verfolgen, sind vielfältig: Von der Förderung der oralen Nahrungsaufnahme, um eben Gewichtsverlust und Austrocknung entgegenzuwirken, über die adäquate Ernährung, um die Mangelernährung zu verhindern, bis hin zum Schutz der Atemwege und der Wiederherstellung und Erhaltung größtmöglicher Lebensqualität“, erzählt die 25-jährige Logopädin.

Um die Schwierigkeiten bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme genau festzustellen, untersucht das logopädische Personal der Fachkliniken Hohenurach die betroffenen Patient:innen zum Beginn Klinikaufenthaltes. Anschließend erfolgt eine logopädische Empfehlung mit einer an die Schluckstörung angepassten Kostform und Flüssigkeitsstufe.

In der Therapie wird die beeinträchtigte Gesichts-, Zungen-, und Rachenmuskulatur behandelt und trainiert. Zudem wird nach Ersatzstrategien und Hilfen gesucht, die das Verschlucken vermeiden oder zumindest vermindern helfen. Dies findet sowohl in Einzeltherapie als auch in Gruppentherapie statt. Verändern oder verbessern sich die Verhältnisse beim Schlucken, kann die Kostform sowie die Flüssigkeitsstufe schrittweise aufgebaut werden.

Verschiedene Formen der Kost

Die Lebensmittelauswahl muss an das jeweilige Ausmaß der Störung angepasst werden. Die passende Konsistenz richtet sich nach der Fähigkeit, die Nahrung selbst zu zerkleinern und zu schlucken. Anhand der unterschiedlichen Stufen werden die Betroffenen – im Optimalfall – wieder Schritt für Schritt an Normalkost herangeführt.

In den Fachkliniken Hohenurach wird zwischen drei Schluckkostformen (SKF) unterschieden (SKF d = komplett passierte Nahrungsmittel, SKF c = vorwiegend pürierte oder zerdrückte Kost, SKF b = schon weiches Brot mit Rinde und einem Schnittbeleg). Bei der Flüssigkeitsaufnahme wird zwischen normalen, nicht angedickten und leicht angedickten oder natürlich gedickten Flüssigkeiten unterschieden, die die Patient:innen zu sich nehmen. „Grundsätzlich gilt: Bei einer bestehenden Schluckstörung darf den Dysphagiepatient:innen nie Nahrung oder Flüssigkeit gegeben werden, die nicht nach logopädischer Einschätzung oder vom medizinischen Personal empfohlen wurde“, so Julia Pischel.

Diätassistentin bei der Zubereitung von Speisen für Dysphagiepatient:innen
Diätassistentin bei der Zubereitung von Speisen für Dysphagiepatient:innen. Foto: m&i-Fachkliniken Hohenurach.

Kein Einheitsbrei

„Wenn man unsere Patient:innen fragt, was sie in den Akutkrankenhäusern bekommen haben, dann ist dies eigentlich immer nur Kartoffel- und/oder Grießbrei. Daher haben wir uns dazu entschlossen, unseren Patient:innen mit Schluckstörungen etwas ganz Spezielles anzubieten. Eben keinen Einheitsbrei mehr“, sagt Sabrina Neher, Küchenleiterin und gelernte Diätassistentin in den m&i-Fachkliniken Hohenurach.

„Unsere Küchenleitung hat sich zusammen mit den Diätassistent:innen in das Thema „Dysphagie“ wirklich wahnsinnig gut eingearbeitet und den Speiseplan dementsprechend angepasst und erweitert“, freut sich Logopädin Julia Pischel.

Die Zusammenstellung der Menüs erfolgt immer in enger Zusammenarbeit zwischen Diätassistent:innen, Logopäd:innen und der Küchenleitung. Neue Gericht werden in jeder Schluckkostform intensiven Tests durch das Fachpersonal unterzogen, bis es diese letztendlich auf den Menüplan schaffen. So kann es sein, dass auch Dsyphagiepatient:innen der SKF d die Speisen bekommen, die auch die anderen Patienten in nicht pürierter Form erhalten. „Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Nahrungszubereitung natürlich auch eine Rolle und wir bieten beispielsweise Kompott oder andere Süßspeisen in Glasschälchen an und decken diese mit einem passenden Deckel ab. In der Vergangenheit wurde dafür Klarsichtfolie genommen. Mit der Veränderung kann man nun deutlich Abfall vermeiden und die Patient:innen haben es bei der selbstständigen Nahrungsaufnahme leichter“, lächelt die Küchenleiterin Sabrina Neher.

Die Diätassistent:innen geben sich sehr viel Mühe, den Speiseplan der Patient:innen mit Schluckstörungen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. „Wir haben ja auch keine Lust, täglich Suppe und Brei zu essen“, sagt Neher. Bei der Zubereitung muss die Küche natürlich auch auf weitere Problematiken wie Lebensmittelunverträglichkeiten oder Allergien der Patient:innen achten. „Wir gehen bestmöglich auf jeden Patienten ein“, so die Küchenleiterin weiter.

Und diese Mühe schmeckt man. Sagen zumindest viele Patient:innen. „Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen, dass die Speisen, auch wenn alles püriert ist, geschmeckt haben. Und das treibt einen immer wieder an, neue Kreationen für die Patient:innen zu kochen“, erklärt Sabrina Neher.

Zurück ins Leben

Was für die Küche die Rückmeldung über den Geschmack der Speisen ist, ist für die Logopäd:innen der Weg zur Genesung der Patient:innen. „Wir hatten eine Patientin mit Trachealkanüle, die über einen nasogastrale Sonde ernährt wurde. D.h. sie wurde künstlich ernährt, konnte weder essen noch trinken. Durch unsere intensiven Therapien haben wir es geschafft, die Patientin von der Nasensonde zu entwöhnen und über die Schluckkostform d also den pürierten Speisen, bis zur SKF c zu bringen. Das war für uns aber auch für die Patientin ein riesen Erfolg. Solche Geschichten freue mich persönlich sehr. Darum arbeite ich hier so gerne: Man ist an der Erfolgsgeschichte der Patient:innen direkt beteiligt und sieht die Entwicklung zurück ins Leben“, sagt Logopädin Julia Pischel abschließend.

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